Testlauf erfolgreich

Ohne technische Probleme, lautet das Ergebnis vom Testlauf. Öticket hat für uns – da wir momentan nicht einmal eine Boca-Drucker hätten – die Tickets von Beckerbillett gestest. Und das Fazit: Das Papier ist mit dem Öticket System kompatibel. Das Lieferanten-„Monopol“ zu den Öticket Nutzern kann gebrochen werden.

Und das erfreulicherweise mit dem am positivsten auffallenden Anbieter.

 

 

Wechsel zum billigeren und „freundlichsten“ Anbieter möglich?

Die Software für unseren Kartenverkauf beziehen wir von Öticket. Einer der Vorteile, abseits vom Support und des bestehenden Kartenverkaufsstellen in ganz Österreich, ist aus ökologischer Sicht die Bereitstellung der Infrastruktur. Wir können von der Hardware (bis auf die Laptops) alles bei Öticket direkt ausleihen. Dadurch erhalten wir ein gewartetes System für unsere ca. nur 6monatige Nutzung pro Jahr.

Doch jeder Vorteil hat auch einen Nachteil: So sind wir auch an die Spezifikationen des Kartensystems und der Hardware gebunden. Steuermarke für die Drucker, Maße der Tickets und auch die Position der Druckfelder sind uns vorgegeben.

Öticket hat durch ihre eigenen Ticketausgabestellen in ganz Österreich selbst einen hohen Ticketpapier-Eigenbedarf. Wesentlich höher als unserer! Ihr Ticketpapier kommt zu 100% von einem Lieferanten und so ist es leider auch naheliegend, dass alle Servicenutzer, wie es wir sind, diesen Erfahrungen zu folgen. Doch auch dann, wenn der Preis – wie erstmals dieses Jahr – bei diesem großen Anbieter nicht der „Beste“ ist? Und auch dann wenn keine ökologischen-nachhaltigen Standards – zu mindestens aus meinen Gesprächen nicht erkennbar – gefördert werden? Unnötige Hörigkeit?

Der steirische herbst ist nun gemeinsam mit Öticket am Testen des billigsten Anbieters, welcher zugleich auch am aktivsten Fragen zu Herkunft und Herstellung beantwortet hat: Beckerbillett. Eigeninitiative in Sinne von Transparenz und Ganzheitlichkeit der Herstellung ist bei den anderen Angebotstellern nicht erkennbar gewesen.

Es werden uns Testtickets von Beckerbillett nach den von Öticket gestellten Spezifikationen zu gesendet. Öticket testet für uns, ob der dieser Anbieter sich mit der bestehenden Infrastruktur verträgt. We will see!

Ohne Thermopapier arbeiten?

Nun ist vielleicht auch der richtige Zeitpunkt um über eine Ticketing Möglichkeit ohne Thermopapier zu sprechen und so eine Beschichtung des Papiers gänzlich zu vermeiden.

Man könnte auf gewöhnlichem A4 Papier drei durch Perforierung getrennte Tickets in unserem Layout gestalten und die detaillierten Veranstaltungsinformationen durch handelsübliche Laserdrucker, die vom Öticketsystem mit Informationen gespeist werden, bedrucken. Hört sich wunderbar an, besonders da bei normalem Papier ein wesentlich größerer Anbieterpool – vor allem auch aus der Umgebung – besteht. Dies scheint auf dem ersten Blick die wahrscheinlich ökologischere Variante zu sein.

 Doch es gibt gute Gegenargumente:

- Die dafür notwendigen Drucker – in unserem Fall mindestens 3 Stück – müssten wir dann auch selber kaufen und warten. Für die eigentlich nur einmonatige Nutzung zweier Geräte – der dritte wird sechs Monate genutzt -  ist das aufwendig, Material intensiv und auch teuer. Laserdrucker, die diesen speziellen Abendkassen standhalten, sind nicht die gängigen 0815 Haushaltsmodelle. Das Argument auf professionelle, genau auf diese Situationen konzipierte Drucker, die auf Kompatibilität mit der Software ausgerichtet sind, zu vertrauen, ist ein Punkt für die Boca-Thermodrucker.

Ohne darauf weiter einzugehen, hier nur kurz die Feinstaubbelastung durch Laserdrucker erwähnt.

- Außerdem hätten wir durch die Laserdrucker auch Toner, die wir kaufen und danach entsorgen müssten. Der wirklich große Vorteil von Thermodrucker, ohne zusätzliche Druckchemikalien abseits der Beschichtung am Papier auszukommen und ununterbrochen arbeiten können ist nach wie durch keine andere Methode erreicht.

- Und außerdem steigt der Papierverbrauch wenn man die A4 Papier Methode einsetzt, da immer 3 Tickets auf einem Papierbogen sind. Wird nur eine Karte benötigt, werden die restlichen zwei vom Kartensystem entwertet und sind somit Abfall.

Diese A4 Papier Methode wäre eine Alternative, wie ich meine, wenn wir nur wenige verschiedene Veranstaltungen mit vielen Verkäufen an der Abendkasse hätten. Dann könnte man schnell viele „gleiche“ Tickets ausdrucken und weitergeben. Da wir aber genau das Gegenteil anbieten – viele verschiedene Veranstaltungen mit eher geringen Besucherkapazitäten – ist das Ausdrucken für verschiedene Veranstaltungen der Alltag in unserem Kartenbüro.

Für uns steht ein Wechsel nicht wirklich im Raum oder gibt es wirklich gute Argumente abseits vom Wegfall von Thermopapier?

Schaden und „Unschaden“ des Thermopapiers

Eines ist nun klar. Nach dem Eintreffen der Angebote mit den erbetenen Zusatzinformationen und der eigenen Recherche zu Bisphenol im Thermopapier lässt sich eindeutig ablesen, dass sich die Ansichten und Kommunikationsweisen, was es nun mit dem Bisphenol tatsächlich auf sich hat und wie man damit umgeht, gravierend unterscheiden.

Die Warnungen wurden eindringlich von Greenpeace und Werner Boote’s „Plastic Planet“ publik gemacht, wobei die beschwichtigenden Argumente von den Herstellern und Händlern einstimmig vertreten werden. Erwartungsgemäß.

Bei den verschiedenen Anfragen um Angebote für unsere kommende Bestellung von Thermopapier bat ich die potentiellen Firmen zugleich um Aufklärung bzw. Stellungnahme zum Thema Bisphenol im Thermopapier und bat sie auch um weitere Auskünfte zu ihren ökologischen Maßnahmen, wie etwa nachhaltiger Papiereinkauf.

Die Reaktionen der Hersteller sind alle eindeutig: Das Ticketpapier, welches wir benötigen (wichtigstes Merkmal gegenüber Kassenbons ist die Grammatur) wird von allen mit Bisphenol-freiem Papier angeboten. Sie könnten uns nicht einmal das „konventionelle“ Papier anbieten, wo jedoch bei den ersten telefonischen Anfragen immer von noch als „zu teuer“ bezeichneten Bisphenol-freien Papieren gesprochen wurde.

Die mitgesandten Informationen zu Bisphenol sind sehr eindeutig in der Darstellung, wobei jedoch der Umgang damit Widersprüchlich ist. Gemeinsamer Tenor: „Bisphenol ist in diesen Mengen absolut unbedenklich … aber selbstverständlich ist unser Thermopapier Bisphenol-frei.“

Haubold in Eschwege zum Beispiel liefern uns eine Bestätigung des europäischen Verbands der Thermopapierhersteller mit, welche Ungefährlichkeit von BPA versichert. Und zugleich wird uns die Bescheinigung ihres Papierlieferanten SIHL the coating company übermittelt, welche Bisphenol-Freiheit verspricht.

Beckerbillett in Hamburg scheinen unsere Nachfrage für sich als Vorteil verwenden zu können und weisen auch bereits direkt im Angebot auf ihre „green tickets“ (selbst erfundener Standard / Titel) hin. Nach eigenen Angaben wird FSC zertifiziertes Papier verwendet und grundsätzlich auf Abfallminimierung und Stromsparen in ihrem Betrieb geachtet. Bei den Drucktechniken wird leider nicht genauer darauf hingewiesen, auf welche schädlichen Chemikalien verzichtet wird.

Die Mitteilungsfreudigkeit und auch die Vorbereitungen auf solche Kundenanfragen sind bei diesem Unternehmen eindeutig erkennbar.

Ebenso kommunikativ jedoch mit gegenteiligem Inhalt ist Diagramm Halbach. 6 Dokumente wurden als Information mitgeschickt, jedoch mit dem identen Grundton: Die europäischen Richtlinien werden unterschritten, keine Sorge. Und selbstverständlich ist das angebotene Papier Bisphenol-frei.

Zu guter Letzt wurde noch ein viertes Angebot von einer Wiener Firma, telcop papierrollenproduktion, eingeholt. Diese ließen die Bitte nach Informationen zum Thema Bisphenol – bis auf den klitzekleinen Bisphenol-frei Hinweis im Angebot – gänzlich außer Acht.

Was nun? Ungefährlich und daher vom Produkt entfernt?

Die Bisphenol-Freiheit auf Eintrittskarten ist positiv anzuerkennen, jedoch aber auch eine unaufrichtige Entwicklung. Die großen Mengen an Thermopapier werden an keiner Kino- oder Theaterkassa ausgeteilt, sondern in Supermärkten und bei anderen Großhändlern.

Dort darf wohl noch immer die Devise gelten: „Darf’s a bisserl mehr sein?“

Wie bekommt man Thermopapier der unbedenklicheren Art?

Thermopapiere sind mit BPA oder BPS beschichtet – Stoffe die es in sich haben. Was benötigt man um davon wegzukommen?

Den Kassabon noch schnell einstecken, die Zugtickets für den Schaffner bereithalten und die Theaterkarten nervös im Sakko suchen. Täglich hantieren wir mit diesen Dingen. Doch dass es sich nicht nur um Papier, sondern um Thermopapier handelt fällt uns kaum auf. Sollte es jedoch:

Konventionelle Thermopapiere enthalten Bisphenol A (BPA) oder Bisphenol S (BPS), welche ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirken. Sie werden im Zusammenhang von beeinträchtigter Fortpflanzung und Gehirnentwicklung genannt. Bisphenol wird unteranderem in Kunststoffen sehr oft als Weichmacher eingesetzt und wurde darum auch zum Beispiel bei Baby-Trinkflaschen wegen ihrer fraglichen Auswirkungen verboten. Viel weniger bekannt ist jedoch die Verwendung der Chemikalie im Papierbereich. Obwohl hier eine viel höhere Konzentration des Stoffes als zum Beispiel im Plastik vorhanden ist und er auch deutlich weniger fest am Trägermaterial haftet. In den Thermopapieren sitzt Bisphenol an der Oberfläche und reagiert im Druckprozess unter Hitze mit anderen Substanzen zu Farbstoff – wo das Papier weiß bleibt, haftet die Chemikalie unverändert an. Beim Berühren gelangt sie auf die Haut und durch sie ins Blut. Das macht die Chemikalie gefährlicher für den Menschen, da sie leichter und in höheren Mengen freigesetzt wird.

(ausführlicher Artikel: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=6509)

Was drücken wir den da eigentlich unserem Publikum in die Hände? Sollten wir den Hinweis, bitte nicht in den Papiermüll sondern in den Restmüll werfen im Gespräch mit anbringen?

Für das kommende Festivaljahr steht eine neue Bestellung von Ticketpapier für BOCA Drucker an. Daher stellt sich nun die Frage an den zukünftigen Lieferanten: Bisphenol-frei?

Der Lieferant aus dem Jahr 2006 Haubold, in Eschwege (http://www.hauboldeschwege.de/), Beckerbillett, in Hamburg (http://www.beckerbillett.de/index.php) und Halbach, in Schwerte (http://www.halbach.com/#), wurden wegen Angeboten kontaktiert. Informationen zu BPA / BPS und auch Papier-Herkunft werden erbeten.

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