Film versus Nachhaltigkeit?

Eine persönliche Stellungsnahme von Daniela Ingruber / Diagonale.

Erste Reaktion: „Natürlich machen wir mit!“

Als klar wurde, dass DIAGONALE GOES GREEN wesentlich mehr werden sollte, als ein bisschen Papier einzusparen, abends Computer und Licht auszuschalten und Fair Trade Café zu trinken, wurde die Euphorie leiser. Schließlich ging es auf die heiße Phase der Festivalvorbereitung zu, da hatte man wirklich andere Sorgen!

Zweite Reaktion: „Nachhaltigkeit? Das Festival des österreichischen Films als Green Event? Sollten wir uns nicht eher auf Filme konzentrieren?“
Warum denn nicht beides, lautete die Antwort.

Dritte Reaktion – diesmal nur zu mir selbst gesprochen: „Ich muss irgendwie die Texte, die rausgehen werden, an mich reißen. Immerhin habe ich früher in Umwelt-NGOs gearbeitet!“ Düster sah ich die Zukunft: Ein Marketinggag würde den nächsten jagen, alles fein grün angehaucht, eine Neubewertung dessen, was man sowieso längst macht, schon allein deswegen, weil es heute gar nicht mehr anders geht. Ich wollte das Schlimmste verhindern, bastelte tatsächlich am Text herum, schüttelte den Kopf über die vermeintliche Naivität – und tat mir gleichzeitig recht schwer, nicht doch ein wenig Freude zu empfinden.

Es sei ein Versuch, hieß es, während gleichzeitig mit viel Engagement alles in die Wege geleitet wurde, um gleich im ersten Jahr das Konzept möglichst durchgehend umsetzen zu können. Das Catering wurde auf Mehrweg umgestellt, der Papierverbrauch genau bemessen, auch was die Werbematerialien unserer Partner/innen betraf; die Rückführung von nicht verwendeten Ressourcen wurde in die Wege geleitet, Sponsoren und Partner/innen der Diagonale angehalten, keine Give-aways, die aus Plastik oder unter ungeklärten Arbeitsbedingungen hergestellt wurden, zur Verfügung zu stellen, sondern gemeinsam nachhaltige Produkte zu suchen.

„Gemeinsam“, das war bald eine der unausgesprochenen Regeln: Die Sponsoren wurden beraten, ressourcenschonende Marketingmaßnahmen überlegt und umgesetzt. Zur Nachahmung anzuregen war ein zweites Anliegen.

Zunächst ein wenig verwunderlich war die Offenheit jener, die mit der Diagonale zusammenarbeiten. Die meisten suchten gerne nach neuen Wegen. Bald war klar, dass es hier um mehr ging als um das Schönfärben. Der Zeitgeist? Vielleicht einfach das Wissen, dass wir es uns insgesamt nicht mehr leisten können, nicht umzudenken.

Tatsächlich veränderte sich etwas, auch intern: Zwar wird der Widerspruch, dass sich ein Filmfestival eigentlich ganz und gar dem Film widmen soll, dass es dazu aber auch zwingend Sponsoring, Förderungen und Kooperationen braucht, immer wieder durchschillern, doch heute fragt niemand mehr, ob DIAGONALE GOES GREEN vom Engagement um den österreichischen Film ablenken könnte. Die Diskussionen haben sich ins Inhaltliche verlagert. Als sie bei der sozialen Nachhaltigkeit ankommen, wandelt sich auch meine Skepsis. Nur zugeben würde ich das ungern, schließlich beginnt bald wieder die heiße Phase der Festivalvorbereitung.

Daniela Ingruber ist seit 2006 Mitarbeiterin der Diagonale – Festival des österreichischen Films. Als Associate Professor for Media, Conflict and Peace Studies lehrt sie an der United Nations University for Peace in Costa Rica, sowie an weiteren internationalen Universitäten, vorwiegend zu den Themen Medien(ethik) und Kriegsberichterstattung. Die ehemalige Chefredakteurin des planet° – Zeitung für politische Ökologie war zudem in mehreren Umwelt-NGOs tätig.

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